VÄTER

Inhalt

Ursula Schulz
Vorwort

Horst Obleser
... Vater sein dagegen sehr

Bernd Scholich
Der abwesende Vater

Barbara Friedrich
Zweiter Vater? Instant father? - Stiefvater!

Helmut Schäufele
"Es war, als hättest du keine Ahnung von deiner Macht"

Brigitte Romankiewicz
Der Archetypus des Vaters

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Vorwort

Dieses Buch entstand aus Beiträgen, die im Rahmen einer Vortragsreihe über "Väter" von Dozentinnen und Dozenten des Psychoanalytischen Instituts "Stuttgarter Gruppe e.V." gestaltet wurden.
Die Bedeutung des Vaters, nicht nur für das männliche Kind, wurde in seinen vielfältigen Aspekten von den fünf Kolleginnen und Kollegen herausgearbeitet.
Damit eine Mutter ihre haltgebende Funktion ausüben und ihrem Baby mit "stillendem Verstehen" begegnen kann, muß sie sich selbst in einer guten Beziehung zu einem Partner, im günstigsten Fall zum Vater des Kindes, aufgehoben fühlen.
Aber auch für das Kind können schwerwiegende Konflikte entstehen, wenn es nur auf die Mutter allein angewiesen ist. Denn dann verändert sich ihre positive Wirkkraft, und sie wird zu einer allmächtigen Magna Mater, die Kinder gebiert und verschlingt.
So ist im frühen Loslösungsprozeß des kleinen Kindes der Vater ein unentbehrlicher Dritter, der - weil weniger kontaminiert - als ein verläßliches, gutes Gegenüber erlebt wird.
Wirkliche Väterlichkeit ist nicht eine Variante oder Kopie des Mutterseins, sondern eine Orientierung schenkende, Grenzen setzende und damit strukturierende Funktion. In dieser Eigenschaft trägt der Vater entscheidend zur Identitätsbildung des Sohnes, aber auch der Tochter bei.
Übereinstimmend kommen die Referenten immer wieder auf die Frage zurück, was die heutigen Väter nicht nur äußerlich, sondern auch innerlich so abwesend sein läßt. Die psychische Entwicklung zum männlichen Erwachsenen ist eng an die Erfahrungen mit dem persönlichen Vater gebunden. Ist die Auseinandersetzung mit dem inneren Vaterbild nicht möglich, können frühe Enttäuschungen und Verletzungen in der Beziehung zum eigenen Vater nicht bearbeitet und überwunden werden. Zurück bleibt eine große Verunsicherung im eigenen Vatersein, das die Väter nicht selten die intensive Begegnung mit den eigenen Kindern scheuen läßt.
Dieses Buch richtet sich an alle Väter, an die enttäuschten, an die mit ihrer Rolle unzufriedenen, auch unglücklichen, an die Stiefväter, an die abwesenden Väter und an alle, die sich mit dem eigenen Vater besonders auseinandersetzen wollen.

Ursula Schulz, Stuttgart, August 1997